Parteipolitisch neutral, bei Werten eindeutig

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© BDL/Gräschke
VERBANDSWERKSTATT BEI DER 28. BILDUNGSWOCHE

Wie viel Haltung braucht ein Jugendverband? Für den Bund der Deutschen Landjugend ist die Antwort klar: eine ganze Menge. Bei der 28. Bildungswoche in Berlin haben ehrenamtliche Vorstände und Hauptamtliche aus dem ganzen Bundesgebiet beraten, welche Werte die Landjugend prägen und wie sie im Alltag gelebt und verteidigt werden können. Bei der Verbandswerkstatt am Samstag ging es um Heimat, Gleichberechtigung und Respekt, um den Umgang mit Konflikten und extremistischen Positionen.

„Landjugend ist nicht neutral. Wir sind parteipolitisch neutral, aber wir vertreten Werte“, betonten die BDL-Bundesvorsitzenden Marthe Tiana Vellguth und Lars Ruschmeyer zu Beginn. Diese Unterscheidung ist für den Verband zentral. Politische Unabhängigkeit bedeutet nicht, dass alle Standpunkte gleichermaßen akzeptiert werden müssen. Die Grundwerte des demokratischen Zusammenlebens und des Grundgesetzes bilden den Maßstab für das Handeln im Verband.

Werte müssen im Alltag bestehen

Werte stehen in Leitbildern, Satzungen und Positionspapieren der Landjugendverbände. Ob sie tragen und gelebt werden, zeigt sich jedoch oft in kleinen Situationen: Wer bekommt in einer Sitzung das Wort? Wie wird Mitmenschlichkeit gezeigt? Wer übernimmt welche Aufgaben? Wie reagieren Mitglieder auf abwertende Sprüche oder diskriminierendes Verhalten? Und was passiert, wenn jemand Grenzen überschreitet? Die Verbandswerkstatt brachte diese Fragen auf den Tisch. Mit dem Input eines Mobilen Beratungsteams aus Brandenburg im Kopf diskutierte die Landjugend anhand anonymisierter Praxisbeispiele, wie sich schwierige Situationen besser bewältigen lassen. Dabei ging es auch um die Rolle ehrenamtlich Engagierter, die vor Ort häufig als Erste reagieren müssen. Sie brauchen Selbst- und Handlungssicherheit, konkrete Ideen und die Rückendeckung ihres Verbandes. „Konflikte verschwinden nicht, wenn niemand sie anspricht“, stellte die BDL Bundesvorsitzende Vellguth klar. Darum dürfe problematisches Verhalten nicht unwidersprochen bleiben.

Klare Grenzen gegen Extremismus

Ein zentraler Teil der Wertearbeit ist die Auseinandersetzung mit extremistischen und rassistischen Positionen. Der BDL hat dazu bereits 2008 in seinem Grundsatzpapier „NEIN zu Rechtsextremismus und Rassismus“ klar formuliert: „Extremismus verstehen wir als Geisteshaltung, die neben sich keine anderen Wahrheiten dulden will. Sie setzt das eigene Deutungsmuster / Weltbild absolut und ist zum Dialog nicht fähig.“ Diese Haltung steht im Widerspruch zur demokratischen Gemeinschaft der Landjugend. Wo Menschen abgewertet, ausgegrenzt oder ihnen gleiche Rechte abgesprochen werden, braucht es klare Haltungen und Reaktionen. Daran ließen die Teilnehmenden keinen Zweifel. Bei der Verbandswerkstatt brachten sie auf den Punkt, was das für Landjugendliche heißt, und arbeiteten daran, problematische Situationen einzuordnen und Handlungsmöglichkeiten für den Verbandsalltag zu entwickeln.

Gleichberechtigt entscheiden

Seit seiner Gründung vor fast 77 Jahren wird der BDL paritätisch geführt. Das sei Teil des Selbstverständnisses der Landjugend und zeige, dass der Verband lebe und fühle, was seine Satzung ausdrücke, sagte Vellguth mit Blick auf die Ergebnisse der Verbandswerkstatt beim Thema „Gender, Gleichberechtigung und Geschlecht“. Alle Geschlechter sollen gleichberechtigt mitentscheiden und gehört werden; traditionelle Rollenbilder dürfen weder die Aufgabenverteilung noch die Beteiligung in der Organisation bestimmen. Gemeinsames Ziel bleibt eine Verbandsarbeit, in der unterschiedliche Perspektiven Platz haben und alle Mitglieder mit Respekt behandelt werden. „Die Verbandswerkstatt hat deutlich gemacht: Unsere Gemeinschaft, unser Verband – kurz die Landjugend – hat demokratische und mitmenschliche Werte und sie steht zu ihnen. Zugleich ist Wertearbeit keine einmalige Aufgabe. Sie braucht Austausch, eine klare Haltung und die Bereitschaft, das eigene Handeln danach auszurichten“, so die BDL-Bundesvorsitzende Vellguth.

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13. Oktober 2026

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