Gemeinschaft ist kein Luxus

Eine Gruppe von Personen betrachtet eine Erntekrone. Im Hintergrund ist eine Frau in Tracht zu sehen.
© BDL / Gräschke
HESSISCHE ERNTEKRONE IM BUNDESJUGENDMINISTERIUM

Eine Erntekrone aus Hessen zog heute ins Bundesjugendministerium. Bei ihrer Übergabe an die Parlamentarische Staatssekretärin Mareike Wulf finden die Hessische Landjugend und der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) klare Worte für das, was auch eine Demokratie zum Wachsen braucht: engagierte junge Menschen, Orte der Begegnung und verlässliche Unterstützung.

„Eine Erntekrone entsteht aus vielen einzelnen Halmen. Auch eine starke Gemeinschaft wächst aus vielen Menschen, die sich einbringen. Junge Menschen brauchen Orte, an denen sie dazugehören, etwas bewegen und Vertrauen erfahren. Auf dem Land sind Jugendverbände oft diese Orte gelebter Demokratie“, so die BDL-Bundesvorsitzende Marthe Tiana Vellguth. Zu den Bildern

Volkstanz als gelebte Jugendarbeit

„Wir können nur ernten, was zuvor gesät, gepflegt und geschützt wurde. Das gilt für die Landwirtschaft genauso wie für unsere Gesellschaft“, sagt Franziska Hensche von der Hessischen Landjugend. Ihr Verband hat die Erntekrone gebunden, Landjugendliche in Tracht sie nach Berlin begleitet und damit Volkstanz als Gesprächsthema im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gesetzt. Was nach Brauchtum klingt, ist für viele von ihnen gelebte Jugendarbeit: Sie treffen Gleichaltrige, lernen miteinander, übernehmen Verantwortung und erleben, was sie gemeinsam auf die Beine stellen können. 

Trotzdem fehlt es der Pflege von Volkstanz und regionalen Traditionen häufig an ausreichender Förderung und öffentlicher Anerkennung. Dabei reicht ihre Wirkung weit über den Tanzboden hinaus. „Sie bringt Generationen zusammen, hält kulturelles Wissen lebendig und schafft Begegnungen über Alters- und Ortsgrenzen hinweg. Solche Angebote verdienen mehr Aufmerksamkeit und verlässliche Unterstützung“, sagt Bianca Hofmeister von der Hessischen Landjugend. 

Gemeinschaft ersetzt keine Therapie

Gemeinschaft kann auch psychisch entlasten. Sie ersetzt jedoch keine professionelle Hilfe, wenn junge Menschen psychisch erkranken oder Unterstützung benötigen. Das spricht der Hessische Landjugend-Vorsitzende Johannes Hamenstädt beim Erntekronen-Austausch mit Staatssekretärin Wulf unverblümt an. Gerade auf dem Land erschweren lange Wege und fehlende Angebote den Zugang zu Unterstützung. Wer unter Druck steht, braucht aber erreichbare Anlaufstellen und Menschen, die zuhören. Jugendverbände können Begegnungsräume schaffen, Vertrauen stärken und auf Hilfsangebote für die Behandlung psychischer Erkrankungen aufmerksam machen.

Mit der Erntekrone verbindet der BDL einen politischen Appell: Jugendverbände brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, damit junge Menschen Gemeinschaft erleben, ihre Interessen vertreten und ihre Zukunft mitgestalten können. Denn auch Demokratie braucht Pflege, Geduld und Menschen, die sich für sie einsetzen. „Wer eine vielfältige demokratische Zivilgesellschaft erhalten will, muss die Jugendverbände stärken“, heißt es in der Erntedank-Erklärung des größten Jugendverbandes im ländlichen Raum. 

„Wenn Zusammenhalt geerntet werden soll, muss Gemeinschaft gesät werden. Wenn Chancen wachsen sollen, braucht es Bildung. Und wenn junge Menschen Zukunft auf dem Land haben sollen, brauchen sie Freiräume, Perspektiven und Vertrauen“, bringt es die Hessische Landjugend auf den Punkt.

Bilder von der Erntekronenübergabe im Bundestag!
 

06. Oktober 2026

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